„Insbesondere nach einem Herzinfarkt ist eine herzgesunde Ernährung wichtig!“, las Monikas Vater auf dem Flyer, den die Ernährungsberaterin ihm gegeben hatte. „Herzgesunde Ernährung“, schnaubte er und warf den Flyer auf den Tisch. „Da darf ich ja gar nichts mehr essen.“

„Ach Papa“, sagte Monika und legte ihm die Hand auf den Arm. „Schau es dir doch erst Mal an.“

„Da muss ich nichts anschauen. Die Ernährungstante hat mir das auch schon vorgebetet. Gemüse und Obst. Vollkorngetreide. Und Hülsenfrüchte. Wie das schon klingt. Hülsenfrüchte. Ich will was Ordentliches essen.“

„Heißt das, du willst so weitermachen wie bisher? Nur Fleisch, Fett und Zucker essen und nicht von der Couch hochkommen? Und dann wunderst du dich, wenn du in ein paar Wochen wieder mit Herzinfarkt in die Klinik kommst.“

Einsicht nach Herzinfarkt?

„Ach, die haben doch jetzt einen Stent eingebaut. Der hält mein Gefäß offen, hat der Professor gesagt.“

„Ja, bis du es wieder mit deiner ungesunden Lebensweise verstopfst“, sagte Monika.

„Ach, was weißt du schon? So ein Herzinfarkt ist doch nichts Schlimmes mehr. Außerdem, wenn es ums Gewicht geht, musst du gerade reden.“

Monika spürte Wut in sich aufsteigen. Sie hielt kurz Inne, atmete einmal tief ein und aus, wie sie es in ihrem Meditationskurs gelernt hatte und antwortete erst dann: „Ja Papa, ich weiß, ich bin auch nicht gerade schlank. Aber vielleicht sollte dein Herzinfarkt uns allen eine Lehre sein. Wir können dankbar sein, dass du ihn überlebt hast und dass es dir wieder so gut geht. Ich möchte aber nicht, dass wir das Schicksal überstrapazieren. Lass uns doch alle gemeinsam etwas ändern.“

„Körner und Salat kannst du dir mit Hühnern und Hasen teilen. Ich bleib bei der Wurst.“

Monika schluckte. Ihr Vater sah sie an, holte tief Luft. Dann sagte er: „Jetzt lass mich erstmal auf Reha gehen. Mal schauen, was die mir dort vorsetzen. Und dann können wir schauen, was wir zu Hause machen.“

Monika wischte sich eine Träne aus dem linken Auge, lächelte. „Dann haben Mama und ich ja noch ein wenig Zeit, so kochen zu lernen, dass es gesund und gut ist“, sagte sie.

„Mit Betonung auf gut!“, sagte ihr Vater lächelnd.

Sehnsucht nach gutem Essen

Dreieinhalb Wochen später kam Monikas Vater von der Reha nach Hause.

„Schön euch zu sehen“, begrüßte er seine Familie, als er aus dem Taxi stieg. Monika war mit ihrer Familie extra gekommen, um ihren Vater bei der Rückkehr nach zwei Wochen Krankenaus und drei Wochen Reha zu Hause zu begrüßen.

Außerdem hatte sie sich mit ihrer Mutter die letzten Wochen intensiv mit Ernährung für ein gesundes Herz auseinandergesetzt. Sie hatten nochmals – ohne ihren Vater – mit der Ernährungsberaterin im Krankenhaus gesprochen. Außerdem hatte Monika viel im Internet recherchiert und stundenlang gelesen[1].

Als Willkommensessen hatte Monika mit ihrer Mutter extra ein gesundes Dreigängemenü kreiert.

Monikas Vater setzte sich wie immer an die Stirnseite des Tisches. „Ah, freue ich mich jetzt auf ein gutes Essen! Das Zeug im Krankenhaus und in der Reha kann man ja nicht Essen nennen. Acht Kilo hab ich abgenommen.“

„Du hast aber noch Reserven“, sagte Monika und klopfte ihm sanft mit der Hand auf den Bauch.

„Haha, selber“, sagte ihr Vater. „Also, was gibt es zu essen?“, fragte er.

„Lass dich überraschen“, antwortete Monika und verschwand in der Küche.

Saaten und Nüsse für ein gesundes Herz

Wenige Minuten später kamen Monika und ihre Mutter mit der Vorspeise. Monika stellte den Teller vor ihrem Vater auf den Tisch.

„Bitte schön, einmal Rote Bete Carpaccio mit Meerrettich, Feldsalat, Saaten und Nüssen.“

„Oh nein, schon wieder Hasenfutter“, sagte ihr Vater. Sophie und Florian lachten. Monika warf den beiden einen strengen Blick zu.

„Probier doch wenigstens einmal“, sagte Monika.

„Entschuldige“, sagte ihr Vater, „aber nach drei Wochen auf Reha kann ich einfach keinen Salat mehr sehen.“

„Ich verstehe dich ja Papa, dass es schwer ist, dich umzustellen. Aber willst du wieder einen Herzinfarkt bekommen? Tu es dir selbst zu liebe.“ Vater schnaubte.

„Dann tu es für Mama. Und für deine Enkel.“

Vater seufzte, probierte dann doch die rote Bete. „Ich hab schon schlechter gegessen.“

„Soll das ein Lob sein?“, fragte Monika.

„Naja, ein Wurstsalat wär mir lieber. Was ist mit dem Salat? Der schmeckt irgendwie… anders.“

„Der ist nur mit Zitrone, Ahornsirup und Chilisalz angemacht.“

„Warum das denn?“

„Weil man Caldwell Esselstyn, einem amerikanischen Herz- und Ernährungsexperten, zufolge auch auf pflanzliches Öl verzichten sollte, wenn man an einen Herzinfarkt hatte.“

„Dann sag diesem Caldwell das kann er selbst essen. Und dieses Hühnerfutter da drauf?“

„Das, was du als Hühnerfutter bezeichnest, sind verschiedene Körner und Nüsse. Die liefern Ballaststoffe, Mineralstoffe, gesunde Eiweiße und Fette[2]. Außerdem schmecken sie gut und haben einen schönen Biss.“

„Du sagtest doch kein Fett.“

„Ein bisschen was brauchst du für deine Zellen und so. Und in den Nüssen und Körner sind Omega-3-Fette, die dafür am besten sind. Aber eben kein zusätzliches Fett.“

„Die knacken bestimmt schön im Schnabel“, sagte Vater. Monika schlug ihm leicht mit der Hand auf die Schulter.

„Iss brav auf du Vogel.“

Kreuzblütler – nicht nur gesund fürs Herz

„Na, dann bin ich ja mal gespannt, was es als Hauptspeise gibt“, sagte Monikas Vater zu Sophie und Florian.

„Mama sagte irgendwas von Steak“, sagte Florian.

„Was? Richtiges Steak? Hatte ich wieder einen Herzinfarkt und bin jetzt im Himmel?“

Holger lachte. „Warte erst mal.“

Als Monika und ihre Mutter den Hauptgang servierten, starrte Vater erst mit offenem Mund auf den Teller und dann zu Florian. „Du hast doch was von Steak gesagt.“

„Ja, das sind Blumenkohlsteaks. Die schmecken superlecker!“, sagte Sophie.

„Ja, das glaube ich auch. Und die Beilagen? Normalerweise gibt’s zu Steak doch Bohnen im Speck und Pommes.“

„Das, mein lieber Papa, sind tomatisierte Bohnen“, sagte Monika.

„Tomati-was?“

„Tomatisiert. Mit Tomatenmark. Und das andere ist Grillgemüse.“

„Lass mich raten, auch alles ohne Fett.“

„Natürlich! Es geht doch um eine gesunde Ernährung für dein Herz.“

„Aber mein Herz braucht doch auch Liebe. Warum tut ihr mir das an?“

„Weil wir dich so lieben und dich noch behalten wollen, auch wenn du grummlig bist.“

Kompletter Verzicht auf Fett?

„Aber darf man denn gar kein Fett essen?“, fragte Vater.

„Das kommt darauf an. Soweit ich das überblicken konnte, wird meist der Verzehr von pflanzlichen Fetten mit einem guten Verhältnis von Omega-3- zu Omega-6-Fettsäuren empfohlen. Besonders gut sind hier Olivenöl und Rapsöl[3]. Die natürlich auch nur in Maßen. Auch fettreiche Fische wie Hering oder Lachst sind gut[4].“

„Und warum empfiehlt dieser Caldwell dann gar kein Fett?“

„Esselstyns Empfehlungen gelten vor allem für Menschen, die bereits starke Gefäßverkalkungen haben. Er konnte nachweisen, dass die Ablagerungen in den Gefäßen sogar zurückgehen, wenn man sich so ernährt[5]. Außerdem isst du ja dann nicht gar kein Fett. Viele Lebensmittel wie eben Nüsse, Kerne, aber auch Gemüse enthält Fett. Die sollst du aber nur in geringen Mengen verzehren und vor allem kein Fett zugeben.“

Ich begreife nicht, warum es als drastisch bezeichnet wird, ausgewogen vegetarisch zu essen, während es als medizinisch notwendig gilt, Menschen aufzuschneiden.

Dean ornish

„Das heißt, ihr dürft weiter herrlich schlemmen und ich muss auf jeglichen Genuss verzichten.“

„Wir könnten ein bisschen Fett essen, ja. Es schadet uns aber nicht, auch fettreduziert zu essen.“

„Hat der Mann noch mehr gute Empfehlungen auf Lager?“

„Natürlich. Neben Fett sollst du auf tierische Produkte verzichten. Eigentlich auch auf Nüsse. Hier sind wir also großzügig mit dir.“

„Was für ein Glück“, sagte ihr Vater.

„Dafür ist diese Ernährung nicht nur gut für dein Herz, sondern auch für dein Gewicht, Schlaganfall, Diabetes und Osteoporose[6].“

„Na, jetzt hör auf. So gesund will ich ja gar nicht sein. So viele Einschränkungen sind schon sehr radikal, oder?“

„Da gibt es einen schönen Spruch von Dean Ornish: Ich begreife nicht, warum es als drastisch bezeichnet wird, ausgewogen vegetarisch zu essen, während es als medizinisch notwendig gilt, Menschen aufzuschneiden. Da muss ich ihm irgendwie Recht geben.“

Ernährung für ein gesundes Herz heißt kein Zucker

„Ist ja gut“, sagte Monikas Vater. „Gibt es wenigstens einen schönen Nachtisch, wenn ihr mir schon kein Fleisch und kein Fett gönnt?“

„Natürlich, und da kommt sie auch schon“, sagte Monika uns stellte einen Teller mit Chia-Pudding und frischem Obst vor ihn.“

„Was ist das? Ameisenauflauf?“ Sophie und Florian lachten.

„Nein, Papa. Das ist Chia-Pudding.“

„Und das kann man essen?“

„Ja, es schmeckt sehr gut und ist gesund!“

„Das hast du von den anderen Sachen auch gesagt.“

„Und, haben sie dir geschmeckt?“

„Naja“, sagte Vater mit einem verschmitzten Lächeln. Monika sah ihn mit zusammengezogenen Augenbrauen an.

„Du liebst doch Pudding.“

„Ja, Schokoladenpudding.“

„Der hat zu viel Zucker. Die Chia-Samen dagegen enthalten die guten Omega-3-Fettsäuren, gutes Eiweiß, Eisen und Calcium[7].“

„Danke für den Unterricht. Hauptsache es schmeckt. Ist wenigstens ein bisschen Zucker drin?“

„Kein raffinierter Zucker. Der lässt deinen Blutzucker zu schnell ansteigen. Das ist nicht nur schlecht für dein Herz, sondern auch für andere Organe. Deswegen ist Ahornsirup drin. Der ist zwar auch nicht gesund, aber nicht ganz so schädlich wie purer Haushaltszucker[8].“

Vater probiert. „Bisschen komische Konsistenz. Aber gar nicht schlecht. An den könnte ich mich zumindest gewöhnen. Über das Steak reden wir nochmal.“

Ich finde es gut, wenn du dich gesünder ernährst, Opa. Du sollst noch lange bei uns sein.

Das Regelmäßige entscheidet über die gesunde Ernährung

„Freut mich, dass es dir schmeckt, Papa“, sagte Monika.

„Das habe ich nicht gesagt“, sagte ihr Vater und zwinkerte ihr zu.

„Wir wollen doch nur, dass es dir gut geht und dass du noch lange bei uns bist.“

„Ohne Fleisch wäre ich vielleicht lieber wo anders.“

„Du musst auch nicht ganz auf Fleisch verzichten. Gegen einen Sonntagsbraten ist gesundheitlich wenig einzuwenden, wenn du dich ansonsten gesund ernährst. Vor allem auf verarbeitete Produkte wie Wurst und Fertiggerichte solltest du verzichten. Die enthalten zu viel Salz, Zucker und andere Sachen, die nicht gesund sind.“

„Wurst wird schwer“, sagte Monikas Vater.

„Das schaffen wir. Und Fertigprodukte kommen bei uns sowieso nicht auf den Tisch“, sagte Monikas Mutter

„Das ist gut. Und glaub mir Papa, Obst und Gemüse können mindestens so lecker sein wie Fleisch und Wurst. Vor allem, wenn du dich daran gewöhnt hast.“

„Ob ich das will?“

Sophie lächelte ihren Opa an, legte ihre Hand auf seine. „Ich finde es gut, wenn du dich gesünder ernährst, Opa. Du sollst noch lange bei uns sein. Außerdem ist es gut für die Tiere“, sagte sie.

Er lächelte sie an. „Schön, dass ihr euch alle so um mich kümmert. Mit so vielen lieben Menschen um mich herum werde ich noch 100 Jahre alt.“

„Dann kannst du auch deinen Urenkeln noch erklären, was zu einer Ernährung für ein gesundes Herz gehört,“ sagte Sophie.

„Das hoffe ich, meine Liebe“, sagte Monikas Vater.

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[1] Ornish, Dean; Ornish, Anne 2022: Undo It! How Simple Lifestyle Changes Can Reverse Most Chronic Diseases; Ballantine Books; New Yor und Esselstyn, Caldwell B. 2022: Essen gegen Herzinfarkt: Das revolutionäre Ernährungskonzept, Trias Verlag; Stuttgart

[2] Zentrum-der-Gesundheit.de: Ein umfassender Überblick auf Nüsse und Kerne

[3] Herzgesunde Ernährung: So schützen Sie Ihr Herz | EAT SMARTER

[4] Omega-3-Lebensmittel – die 10 besten mit Omega-3-Fettsäuren! | eatbetter.de

[5] Esselstyn, Caldwell B. 2022: Essen gegen Herzinfarkt: Das revolutionäre Ernährungskonzept, Trias Verlag; Stuttgart: 105

[6] Esselstyn, Caldwell B. 2022: Essen gegen Herzinfarkt: Das revolutionäre Ernährungskonzept, Trias Verlag; Stuttgart: 31, 36

[7] Zentrum-der-Gesundheit.de: Chiasamen – Die Energiequelle der Azteken

[8] Zentrum-der-Gesundheit.de: Gesunde Zuckerarten als Ersatz